Das ist die erphschwester.
Die erphschwester steht jeden Morgen auf und macht sich für die Arbeit fertig. Da geht sie hin und bleibt bis zum späten Nachmittag dort. Macht ihr nicht immer Spass, aber muss sein. Weil ... erphschwester kriegt dafür Geld, das sie für die Miete, das Essen, Klamotten und auch mal´n Eis braucht.
Am Monatsende kriegt erphschwester einen Gehaltszettel, auf dem oben viel mehr drauf steht als unten. Die Zahl unten ist das, was erphschwester später ausgeben kann. Die Zahl oben nimmt das Finanzamt, die Rentenkasse, die Krankenkasse und noch zwei, drei Leute mehr, um festzustellen, was alles erphschwester von ihrem Geld abgeben muss, um den Rest ´rauszukriegen.
Die Rentenkasse nimmt das Geld, das sie von der erphschwester kriegt, um die heutigen Rentner zu bezahlen. Die arbeiten nicht mehr und können schon froh sein, dass sie ein paar Jahrzehnte früher geboren sind als die erphschwester. Denn erphschwester weiss jetzt schon, dass sie - wenn sie mal als Rentner nicht mehr arbeitet - viel, viel weniger kriegen wird als die heutigen Rentner. Da können aber die heutigen Rentner nix für. Die haben früher genauso viel gearbeitet wie die erphschwester, vielleicht sogar noch mehr.
Die Krankenkasse will das Geld von der erphschwester, falls die mal krank wird. Geht erphschwester dann zum Arzt, will der ausserdem noch 10 Euro, auch für die Krankenkasse. Verschreibt der Arzt der erphschwester Medikamente, muss sie die auch selbst bezahlen und allerhand anderes noch dazu. Erphschwester weiss nicht, was sie von der Krankenkasse kriegt, wenn sie mal so richtig, richtig krank ist. Das will sie auch lieber nicht ausprobieren.
Da ist dann noch das Finanzamt. Das will das Geld von der erphschwester nicht für sich selbst, sondern für den Staat. Der ist dafür da, für alles zu sorgen, was die Menschen im Land notwendig brauchen: Gesetze, Umweltschutz, Schutz vor Terroristen. Für all das braucht der Staat, klar, Geld. Damit er diese ganzen Sachen machen kann und all die Leute bezahlen, die sich um diese ganzen Sachen kümmern.
Erphschwester findet das gut, dass sich jemand um diese wichtigen Sachen kümmert.
Letzthin hat erphschwester nachgedacht und dabei festgestellt, dass der Staat früher ganz andere Sachen gemacht hat als heute. Klar hat der sich auch damals um Gesetze gekümmert, aber die waren damals anders. Damals dachte der Staat noch, er muss sich auch um die Infrastruktur kümmern.
Weisste nicht, was das ist? Macht nix, erklär´ ich dir. Infrastruktur sind die Sachen, die so ein Land braucht, um zu funktionieren: Strassen, Strom- und Gasversorgung, Post und Telefon, Bahnen und Busse. Gehörte früher alles dem Staat. - Glaubste nich? Is auch schon lange her.
Immer zwischendurch, wenn der Staat merkte, dass all das Geld, das er so ausgibt, mehr ist, als das, was er von Leuten wie der erphschwester kriegt, hat der Staat mal ´was verkauft und das PRIVATISIEREN genannt. Prima Sache das, weil er Geld dafür gekriegt hat und sich nicht mehr drum kümmern musste.
Was draus geworden ist, kann man zum Beispiel an den Stromversorgern sehen: Die haben den Strom immer teurer gemacht und um das Netz haben sie sich auch nicht gekümmert. Oder bei der Postbeförderung und dem Telefon: Die haben alles immer teurer gemacht und sich weder um ihre Kunden, noch um ihre Mitarbeiter gekümmert (die verdienten immer weniger).
Diese Woche haben sie auch die Bahn ganz richtig privatisiert. Aber nur die Bahn und die Bahnhöfe. Das Netz, also die Schienen, gehört weiterhin dem Staat; soll der sich doch drum kümmern!
Erphschwester findet das eine tolle Idee. Wenn sie nächsten auf ihren Gehaltszettel guckt, weiss sie, dass sie weiterhin für das Schienennetz bezahlt ... weil das gehört ja irgendwie noch ihr ... aber wenn sie mal selbst Zug fahren will, bezahlt sie viel Geld an die privaten Investoren.
Und beim nächsten Mal sprechen wir darüber, warum Investoren so heissen, obwohl sie nicht investieren, sondern Geld verdienen wollen.